Die Jazzband am Corvinianum

Hier geht es groovy zu!

Die Jazzband ist offen für alle Schüler*innen, die Interesse an Jazz haben. Sie probt wöchentlich und tritt regional auf. Neben regelmäßigen Schulveranstaltungen wie dem Tag der offenen Tür, dem Jazzfrühstück oder den musikalischen Abenden sind das viele andere Veranstaltungen, sodass dich turbulente Zeiten in einer schönen Gemeinschaft erwarten.

 

Geschichte der Jazzband

Die Jazzband am Corvinianum hat eine lange Geschichte verbunden mit Freude an der Musik. Das Repertoire umfasst dabei mittlwerweile viele Stücke von alten Jazz-Krachern wie 'Happy feet' oder 'Ain't she Sweet' bis hin zu neueren Arrangements wie 'Spinning Wheel'. Im folgenden können Sie einen kleinen Rundgang durch die Geschichte dieses traditionsreichen Gruppe machen!

Die Anfänge

Ein Bericht von Lothar Kohn

Als ich vor über 30 Jahren an die Schule kam, spielte ich selbst schon seit Jahren in zwei Göttinger Jazzbands (Blue Roseland Orchestra, Red Roseland Cornpickers) und war sofort begeistert von den musikalischen Aktivitäten am Corvi und natürlich von den vielen Schülern, die schon ein Instrument beherrschten.

Zwei Jahre später konnte ich dann meinen Traum verwirklichen und die Corvi-Jazzband gründen; anfangs spielten noch meine Kollegen Herr Struck (Tuba) und Herr Fischer (Klarinette, Saxophon) mit. Die Arrangements bekam ich von Claus Jacobi, der der Chef und Arrangeur der Göttinger Bands war; auch er ist heute noch leidenschaftlicher Jazzer in einer internationalen Formation, „nebenbei“ auch Chef einer Klinik in Bad Gandersheim.

Nach einer anfänglichen Gewöhnungsphase gehörte auf einmal die Jazzband zum festen Bestandteil der Schule dazu. Wir wurden gefördert durch den Northeimer Kultusdezernenten Harald März und durch die KSN, bekamen Gelegenheit, bei Konzerten mit internationalen Größen als Vorband zu spielen: bei Chris Barber, Mr. Acker Bilk, Papa Bue, Monty Sunshine, Champion Jack Dupree, Bent Persson...etc. Wir spielten auf dem Jazzfestival in Cherbourg, viele Male auf dem Jazzfestival in Göttingen. Im Laufe der Jahre haben viele ehemalige Corvi-Jazzer eigene Formationen gegründet und spielen auf vielen nationalen und internationalen Bühnen. Auf dem letzten Göttinger Jazzfestival 2005 sind allein 9 Band aufgetreten, in denen ehemalige Mitglieder der Corvi-Jazzband mitgespielt haben. Zwei Saxophonisten (Tim Hoheisel und Holger Werner) sind Lead-Bläser im Bundesjugendjazzorchester. Man soll ja nicht angeben, ... aber warum nicht ein kleines bisschen.

2006
die Jazzband in der Universität Göttingen

Am 15. Januar 2006 hat die Jazzband einen bemerkenswerten Auftritt gehabt: ein einstündiges Konzert in der ehrwürdigen Aula der Universität Göttingen. Wie uns der Präsident des Kuratoriums gesagt hat, ist dort zum ersten Mal seit Bestehen der Universität Jazz erklungen ... was wohl Georg V dazu gesagt hätte!

Inzwischen ist unser Repertoire etwas moderner geworden, der Grundbestand ist zwar nach wie vor: Fletcher Henderson, Duke Ellington, Benny Goodman, Count Basie, seit wir in unserer Sängerin Theresa Hunger eine wirkliche „Soul- und Rock-Röhre“ entdeckt haben, spielen wir auch etwas von Aretha Franklin und südamerikanische Bossa-Titel. Das ist neu, aber es macht uns Spaß – und das ist ein wesentliches Element unserer Arbeit.

2007/2008

Leider hat Theresa uns inzwischen verlassen; dennoch -und das ist fast wie ein Wunder- geht es immer weiter, immer wieder anders, mit neuen, jungen Leuten. Der neue Sänger ist Jonathan Hasselhorn, aber er wird auch in diesem Jahr sein Abitur machen und dann...kommen wieder neue Leute.

2009/2010

...und inzwischen sind schon wieder 2 Jahre vergangen und wieder haben wir Glück gehabt: denn wir haben in Anna-Lisa Finke eine Sängerin mit einer glasklaren Stimme gefunden, die schon bei einer Musical-Casting-Show in der Stadthalle Northeim gesungen hat. Auch unser Gitarrist Hendrik Sierks ist ein Allerweltsmusiker, er hat selbst mehrere eigene Bands. Das Spannende an ihm ist jedoch, dass er seinen Mitspielern vermitteln und vor allem vormachen kann, wie man ein Solo improvisiert. Es stimmt nicht ganz, dass ein Solist einfach irgendwie „drauflos spielen“ könnte, auf die paar schrägen Töne käme es nicht an. Man kann es aber auch nicht theoretisch erklären, man muss es ausprobieren, so wie man beim Schwimmen lernen eben ins kalte Wasser springen muss. Wie man im Becken vom Schwimmreifen getragen wird, so wird man bei der Jazzimprovisation von der ganzen Band –vor allem von der Rhythmusgruppe- getragen, dann merkt man, wenn ein Ton daneben ist ... oder man merkt es eben nicht. Aber das ist auch nicht so schlimm. Das Jazzen macht Freude, man kommuniziert miteinander und kann auch mal seinen Frust ablassen (Felix am Schlagzeug hat es da besonders gut).

2011/2012

Wir haben immer noch zwei Sängerinnen: Feelia Küster und Stephanie Merker, und es ist schon erstaunlich, wie die beiden sich ins Arrangement einfügen, sich abwechseln und ergänzen, eine zweite Stimme erfinden.

Felix Gödecke ist zu einem wirklich professionellen Schlagzeuger und Vibraphonisten herangereift; ohne ihn hätten wir die 6/8 Nummer „NORWEGIAN WOOD“ – womit ich mir einen ganz persönlichen Wunsch erfüllt habe – auf dem Musikalischen Abend sicher nicht mit dem entsprechenden Drive spielen können. Leider wird er uns dieses Jahr nach dem Abitur verlassen. Ganz gewiss wird er seinen Weg in der Musikwelt finden! Es gäbe noch viele Vollblutmucker zu nennen: Johannes Fricke am Bass ... und, und, und. Ganz besonders freut es mich, dass auch aus den 7.Klassen schon einige Schülerinnen (!) dabei sind. Und auch so etwas  gibt es: Max Stöver kann leider nicht mit uns proben, da er zur gleichen Zeit einen Sport-Kurs hat, aber bei einem Auftritt ist er da und spielt seine Soli auf dem Altsaxophon, oder Jan Lehrke – er spielt ähnlich gut Schlagzeug wie Trompete – aber da wir ihn an der Trompete dringender brauchen, fügt er sich und tobt sich dafür 5 Minuten vor der Pause am Schlagzeug aus. Ich kann nicht alle aufzählen, aber es wird deutlich: ähnlich wie bei einer Fußballmannschaft ist der Einzelne nicht  ganz unwichtig, aber entscheidend ist die Gemeinschaft, das Hören auf den anderen; man muss sich auch zurücknehmen können, dem anderen einen „Teppich bieten“, auf dem er dann gehen kann: konkret heißt das, die Bläser spielen rhythmische Riffs, damit der Solist eine harmonische Orientierung bekommt und nicht ganz so allein dasteht.

Leider musste sich die Jazzband in diesem Jahr von vielen bedeutenden Musikern trennen, die allerdings schnell durch neue Nachwuchstalente ersetzt wurden. Dabei wurde Felix bspw. von Lukas Holland ersetzt.

Standing Ovations am Corvi am 22.November 2012

Workshop und Konzert des Nils Weinhold Quartetts aus New York mit der Corvi-Jazzband

Nicht so häufig erlebt man Applaus bei einer Probe und Standing Ovations in der Schule. Am Corvinianum war am Donnerstag die Weltstadt New York zu Gast.

Das Nils-Weinhold-Quartett (allesamt diplomierte Jazzmusiker der Manhattan School of Music) hatte Kontakt mit der Corvi-Jazzband aufgenommen, und mit großzügiger Unterstützung des Fördervereins des Gymnasiums und des Bundes der Ehemaligen konnte ein Workshop mit der Schuljazzband realisiert werden.

Da wurde am Nachmittag an zwei Stücken gefeilt, die Profis gaben konkrete Tipps, gingen hautnah in die Reihen der Instrumentalisten, machten vor, wiederholten, vermittelten etwas von einer relaxten Spielhaltung, etwas „zurückgelehnt“, d.h. vor dem Beat zu spielen und zu singen. Das Ergebnis war zu spüren und bewirkte spontanen Applaus bei den Schülerinnen und Schülern.

Am Abend folgte dann das Konzert, das ein Streifzug durch die Geschichte des Jazz war. Die Corvi-Jazzband begann mit den musikalischen Wurzeln, einem Blues von Duke Ellington, es folgte ein dichtes Arrangement der Fletcher Henderson Big Band. Ein Show-Stück für die beiden Sängerinnen Feelia Küster und Stephanie Merker war die Ballade „Stardust“; mit „Blue Bossa“, das Musikkollege Jörg Maik Mauksch einstudiert hatte, und einer funkigen Version von „Watermelon Man“ war die Reise in der Moderne angekommen.

Der musikalische Höhepunkt hinsichtlich der Virtuosität und Instrumentenbeherrschung aller Instrumente (Tenorsaxophon, Schlagzeug, Bass, Gitarre), sowie der Dynamik (sehr laut-sehr leise) war zweifellos das Nils Weinhold Quartett, das ausschließlich Eigenkompositionen des Gitarristen Nils Weinhold spielte und dabei die Bandbreite des „Modern Jazz“ auslotete, mit sehr kraftvollen schlagzeugbetonten Nummern und rasant gespielten Synchronläufen von Saxophon und Gitarre und sehr gefühlvollen Balladen (wie „Ballad for Anne“), in denen der Bassist sein Instrument (in Begleitung seines Scat-Gesangs im Stile eines Slam Stewart) in den Mittelpunkt stellen konnte.

Der enorme pädagogische Gewinn war nach Ansicht des Jazzbandleiters Lothar Kohn der Impuls, den die Schülerinnen und Schüler für ihr eigenes Spiel gewinnen konnten; das sah man an den glänzenden Augen, der Begeisterung angesichts der Virtuosität, der Umlagerung der Gäste, wo Instrumente ausprobiert wurden, wo man auch mal in das Tenorhorn der Gäste hineinblasen konnte und umgekehrt staunte, was der Profi aus dem eigenen Schülersaxophon herausholte. Das war hautnahe Begegnung, Bereicherung und Ansporn im besten musikalischen Sinne des Wortes.

Der eindrucksvolle Abend wurde durch Standing Ovations und eine Charlie Parker Zugabe belohnt.